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Der Keuzweg im Münchner Stadtteil Berg am Laim - ein verstecktes Kleinod


Der "Tag des offenen Denkmals®" kann im September 2020 nur virtuell stattfinden. So muss auch die geplante Führung über den sonst nicht zugänglichen denkmalgeschützten Kreuzweg in Berg am Laim entfallen.
Deshalb veröffentlichen wir nachstehend einige Informationen dazu - eine ausführliche Beschreibung von der Historikerin Dr.Christl Knauer-Nothaft sowie Fotos von Mathias Brandstätter.

Und hier kann der aktuelle Kreuzweg-Flyer (pdf-Format) heruntergeladen werden.

Der Kreuzweg wird unter der Aktennummer D-1-62-000-8657 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geführt, hier der direkte link.

Der Kreuzweg liegt komplett auf dem eingezäunten Gelände der Maria-Ward-Realschule und ist daher nicht zugänglich und von der Josephsburgstraße aus auch nicht sichtbar. Einige Kreuzwegstationen sind jedoch von einem öffentlichen Fußweg zu sehen, der vom Johann-Michael-Fischer-Platz aus an der Westseite der Berg am Laimer Pfarrkirche St.Michael vorbeiführt.


Ein Kreuzweg im Grünen
von Dr.Christl Knauer-Nothaft

Dank Münchner Klosterfrauen gibt es heute noch einen Kreuzweg im Grünen inmitten der Großstadt München. Er liegt im dicht besiedelten Stadtteil Berg am Laim versteckt hinter einem Zaun und führt auf einem baumbestandenen Weg um eine fast sieben Hektar große freie Wiese. Wenn man die grüne Allee des Kreuzwegs begeht, fühlt man sich fern der Großstadt, obwohl der Marienplatz nur 5 km entfernt ist. Der Rundweg zwischen hohen Bäumen und dichtem Unterholz führt zudem an zwei Kirchen und einem Schlösschen vorbei und zeigt dem Besucher, dass er sich auf historischem Boden befindet.

Die erste Station des Kreuzwegs beginnt bei der neuromanischen Loretokirche, einem roten Ziegelbau mit einem Glockenturm. Diese Kirche wurde an das alte Wittelsbacher Jagdschlösschen und spätere Kloster der Englischen Fräulein angebaut. Gegenüber der vierten Station steht die Rokokokirche St. Michael mit ihren zwei Türmen und der hellgelben Fassade, ein Bau der Kölner Kurfürsten aus dem Haus Wittelsbach, ein Kulturdenkmal von europäischem Rang. Station 14 des Kreuzwegs endet an früheren landwirtschaftlichen Gebäuden, die heute zur Maria-Ward-Schule gehören, einer Schule, die von den Schwestern 1840 gegründet wurde und in der heute noch Mädchen erfolgreich zur mittleren Reife geführt werden.

Der Kreuzweg entstand, als die katholische Kongregation der Englischen Fräulein, die sich traditionell der Erziehung und religiösen Bildung von Mädchen widmete, ihre Schule mit Internat in Berg am Laim aufbauten, im Jahr 1862. Bald sehr erfolgreich, konnten die Schwestern diesen Kreuzweg auch gestalterisch auf hohem Niveau errichten lassen. Die 14 Stationen, gemauerte Stelen mit Kupferdach, wurden mit farbigen Bildtafeln der Mayrschen Hofkunstanstalt ausgestattet.

Fast 150 Jahre diente der Kreuzweg den Klosterfrauen und ihren Internatsschülerinnen zu Andacht, Gebet und Meditation. Heute liegen die 14 Kreuzwegstationen eingewachsen hinter Bäumen und Gebüsch und wer genauer durch den Zaun schaut, hinter dem er sich verbirgt, sieht, dass die ehemals weiß gekalkten Stationshäuschen leer sind, dass sie durch Wurzelbewuchs schief stehen und der Verputz bröselt. Wie kann das sein?

1986 mussten die Englischen Fräulein wegen Nachwuchsmangel ihre Schule mit Kloster aufgeben. Der Käufer des ganzen Areals war die Erzdiözese München und Freising. Während die Realschule unter dem neuen Eigentümer weiter gut floriert, werden leider die Zubauten auf dem Gelände, so auch der seit langem unter Denkmalschutz stehende Kreuzweg, nicht mehr gepflegt, ja es wird ihr Verfall hingenommen.

Durch eine Privatinitiative konnten zwar die meisten Relieftafeln, die den Leidensweg Christi bis zum Kreuzestod darstellen, gerettet und in einem Kirchturm geborgen werden, aber die gemauerten Stelen verfallen weiter. Erst ein Hilferuf an die Öffentlichkeit setzte einiges in Bewegung. Die Unterstützung durch Berg am Laimer Institutionen, Bürgerkreis und Bezirks-ausschuss, brachte den kleinen Erfolg, dass die Kreuzwegtafeln von der Baubehörde des Ordinariats im Jahr 2019 zum Restaurieren abgeholt wurden. Wir warten immer noch darauf, dass sie zurückkommen.

Das Landesamt für Denkmalpflege wurde von uns mehrmals über den Zustand des Kreuzwegs informiert. Derzeit setzt sich sogar der bayerische Landesdenkmalrat unter dem Vorsitz von Dr. Thomas Goppel Staatsminister a. D., mit großem Engagement ein, um unseren Kreuzweg vor Ort zu retten. Wir sind sehr dankbar für die Worte von Herrn Dr. Goppel im August 2020: "Eine ähnliche (groß)städtische Anlage des Glaubensbekenntnisses ist mir nirgends in Bayern bekannt...Es ist an der Zeit, darauf zu achten, dass Einmaliges nicht ohne Not aufgegeben wird."(1)

Der Kreuzweg ist, weil er zum Schulgelände gehört, der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Glücklicherweise konnte erwirkt werden, dass er dann und wann begehbar ist, so für die katholische und evangelische Pfarrgemeinde, für Führungen der Volkshochschule und am Tag des offenen Denkmals (dieses Jahr wegen der Corona-Epidemie ausgefallen).

Bürger und Bürgerinnen sind sich in ihrem Wunsch einig, dass der Kreuzweg auf seinem historischen Boden, in seiner grünen Allee, bestehen bleiben soll. Dazu wäre es dringend notwendig, dass die Instandsetzung nun endlich - möglichst vor dem nächsten Winter - in Angriff genommen wird.

(1) Schreiben an die Verfasserin am 21.08.2020 mit Weiterleitung an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, Herrn Generalkonservator Dr. Pfeil und das Kultusministerium, Herrn Ministerialrat Dr. Baur.


Fotos von Mathias Brandstätter

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